Unsere Themen – Unser Programm

Präambel

Auch für die Patientinnen und Patienten in Bayern sind wir Hausärztinnen und Hausärzte der erste Ansprechpartner in medizinischen und immer mehr auch in sozialen Fragen. Wir kennen unsere Patientinnen und Patienten, deren Familien sowie das berufliche und private Umfeld. Wir begleiten sie über viele Jahre, manche sogar ein ganzes Leben lang. Als Fachärztinnen und Fachärzte für Allgemeinmedizin haben wir dabei immer den ganzen Menschen im Blick. Wir wissen aber auch, dass eine effektive medizinische Behandlung von Organerkrankungen in vielen Fällen auch die Expertise der jeweiligen Fachärzte oder einen Krankenhausaufenthalt bedingen kann. Wir koordinieren daher die Behandlungen unserer Patientinnen und Patienten und pflegen ein kollegiales Verhältnis zu den Facharzt-Kolleginnen und -Kollegen, weil wir uns zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten gegenseitig unterstützen können.

In diesem Bewusstsein haben wir in den letzten fünf Jahren die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns unter der Prämisse geführt, dass das gut ist, was für die Praxen gut ist, und in dem täglichen Streben, die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns auch im Alltag als das erfahrbar zu machen, was sie auch sein sollte, nämlich als ein Dienstleister für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte und Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Bayern. Hierbei können wir in den letzten Jahren für Sie alle erfahrbare und nachweisbare Erfolge vorweisen. Dies haben wir in enger und für alle Seiten erfolgreich wahrnehmbarer Kooperation mit allen Fachgruppen erreicht. Altes Lagerdenken wurde unter unserer Führung über Bord geworfen, ohne die Ziele der bayerischen Hausärzteschaft aus dem Auge zu verlieren. Diese Fortschritte zu sichern und in den unzähligen alltäglichen Herausforderungen für die hausärztlichen Interessen zu kämpfen, ist der Auftrag, mit dem wir bei der Wahl zur Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns 2016 (KV-Wahl 2016) als übergeordnetes Ziel antreten.

Ärztemangel bekämpfen

Jeder dritte Hausarzt in Bayern ist über 60 Jahre alt, jede Woche schließt eine Hausarztpraxis für immer, weil sich kein Nachfolger findet. Gerade auf dem Land, aber zunehmend auch in einzelnen Stadtvierteln, ist der Hausarztmangel bereits spürbar. In den kommenden Jahren wird dieser Negativtrend weiter an Stärke zunehmen. Der Bayerische Hausärzteverband engagiert sich deshalb seit Jahren in der Nachwuchsförderung und hat eine Reihe von Forderungen gegen den Hausärztemangel erarbeitet. Dazu gehören beispielsweise die Zulassung von reinen Hausarzt-MVZs, damit gerade junge Hausärzte flexibel zwischen Freiberuflichkeit, Festanstellung und Teilzeit wählen können, die Abschaffung des Numerus Clausus als alleiniges Zulassungskriterium für das Medizinstudium oder die Schaffung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin an allen Universitäten und Hochschulen in Bayern.

Gleichzeitig unterstützt der Bayerische Hausärzteverband auch entsprechende Initiativen von Politik, Bayerischer Landesärztekammer, Kassenärztlicher Vereinigung Bayerns und Krankenkassen. So arbeiten der Bayerische Hausärzteverband und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns gemeinsam und kontinuierlich daran, die Bedarfsplanung grundlegend zu überarbeiten und durch Strukturreformen sowie umfassende Serviceangebote den Weg für junge Medizinerinnen und Mediziner in die hausärztliche Tätigkeit zu ebnen.

Um gerade jungen Hausärztinnen und Hausärzten eine wirtschaftlich sinnvolle Perspektive zu geben, sind neben den kollektivvertraglichen Regelungen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns Selektivverträge, also Hausarztverträge nach § 73 b SGB V und daran angeschlossene Facharztverträge nach § 140 ff. SGB V, unabdingbar. In zähen Verhandlungen und langen Schiedsverfahren ist es dem Bayerischen Hausärzteverband in den letzten Jahren gelungen, diese essentiell wichtigen Hausarztverträge mit allen gesetzlichen Krankenkassen in Bayern (wieder) durchzusetzen. Medizinisch sinnvoll ergänzt werden diese Hausarztverträge in den letzten Jahren nun durch immer mehr Facharztverträge (z.B. Versorgungslandschaft Rheuma, Versorgungslandschaft Diabetes etc.). Kernaufgabe des Bayerischen Hausärzteverbandes für die nächsten Jahre wird es sein, diese Hausarztverträge nachhaltig zu sichern und zusammen mit freien daran angeschlossenen Facharztverträgen als feste Säule im deutschen Gesundheitssystem zu verankern. Ferner sehen wir es als unseren gemeinsamen Auftrag an, darauf hinzuwirken, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen Praxisübergaben erleichtern und zu einer weiteren Entbürokratisierung, besonders für die Abwicklung in Berufsausübungsgemeinschaften, führen.

Asylbewerberversorgung

In fast allen Regionen Bayerns sichern insbesondere Hausärztinnen und Hausärzte die ärztliche Versorgung von Flüchtlingen und Asylsuchenden. Diese schwierige Tätigkeit wirksam zu unterstützen, angemessen zu honorieren und unbürokratischer zu gestalten, ist eine wichtige gemeinsame Aufgabe von Bayerischem Hausärzteverband und Kassenärztlicher Vereinigung Bayerns. Mit der Entwicklung eines Musterhonorarvertrags für die in Erstunterkünften tätigen Ärztinnen und Ärzte und im Zuge von mehreren Treffen mit den zuständigen Ministern und deren Mitarbeitern konnten wichtige Erfolge erreicht werden. Weitere unbürokratische Vereinheitlichungen sind nötig und dürfen nicht ins Belieben der einzelnen Entscheidungsträger vor Ort gestellt werden. Gerade jene Patientinnen und Patienten, die vor Krieg und Tod geflohen sind, bedürfen nach wie vor unserer Hilfe und Anteilnahme.

Angestellte Ärztinnen und Ärzte

Immer mehr junge Kolleginnen und Kollegen entscheiden sich, zunächst über eine Fest- oder Teilzeitanstellung in das Berufsleben zu starten, bevor sie sich freiberuflich in einer eigenen Praxis niederlassen. Durch Service- und Beratungsangebote, Seminare, Arbeitsgruppen und Schaffung politischer Rahmenbedingungen wird der Bayerische Hausärzteband diese jungen Hausärztinnen und Hausärzte auf ihrem Weg zur freiberuflichen Niederlassung begleiten und unterstützen. Dabei ist immer ein Rückgriff auf die vielfältig bestehenden Beratungs- und Serviceangebote der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns sinnvoll. Gleichzeitig engagiert sich der Bayerische Hausärzteverband für vielfältige Kooperations- und Anstellungsformen und unterstützt Praxisinhaber und Nachwuchskollegen bei der Beseitigung von Anstellungshürden. 

Bereitschaftsdienst

Demografischer Wandel und Ärztemangel wirken sich zunehmend negativ auf den Bereitschaftsdienst in Bayern aus. Die hohe Dienstbelastung ist gerade für junge Medizinerinnen und Mediziner ein starkes Hindernis, sich in eigener Praxis niederzulassen. Der Bayerische Hausärzteverband tritt deshalb für eine nachhaltige Reform und eine wirksame Umstrukturierung des Bereitschaftsdienstes in Bayern ein und hat entsprechende Beschlüsse der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns herbeigeführt. In enger Abstimmung mit den betroffenen Ärzten vor Ort wurden im Zuge dieser Reform zunächst mehrere Dienstgruppen zusammengelegt, um die Dienstfrequenz für die einzelnen Ärzte zu senken. In einer weiteren Reformstufe sind nun die Eröffnung sog. Portalpraxen an Krankenhäusern vorgesehen. Außerdem setzt sich der Bayerische Hausärzteverband für eine Trennung von Fahrdienst und Sitzdienst ein und fordert, die Honorierung, insbesondere im Sitzdienst und bei langen Wegen, deutlich anzuheben. Dazu werden wir auf Bundesebene weiterhin fordern, die Bewertung der Bereitschaftsdienstleistungen im EBM zu aktualisieren und den neuen gesetzlichen Vorgaben anzupassen sowie die von der Ärzteschaft nicht beeinflussbare Zunahme der Bereitschaftsdienstfälle extrabudgetär zu honorieren. Die Reform des Bereitschaftsdienstes in Bayern kann und wird nur durch ein enges Zusammenwirken von Bayerischem Hausärzteverband und Kassenärztlicher Vereinigung Bayerns gelingen und zu einem erfolgreichen und nachhaltigen Abschluss zu bringen sein.

Bürokratieabbau

Bürokratische Vorschriften sind häufig unnötig und verringern die Zeit, in der sich Ärztinnen und Ärzte ihren Patientinnen und Patienten widmen können. Der Bayerische Hausärzteverband kämpft deshalb für einen Abbau der Bürokratie und fordert alle Verantwortlichen im Gesundheitswesen auf, sich gemeinsam dafür einzusetzen, dass sich die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten wieder in erster Linie ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich der Patientenversorgung, widmen können.

Delegation ärztlicher Leistungen

Der Bayerische Hausärzteverband begrüßt ausdrücklich Modelle, um im Wege der ärztlich verantworteten Delegation ärztlicher Leistungen die Arbeitsbelastung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte zu reduzieren, warnt aber davor, die Betreuung der Patienten ungesteuert externen Berufsangehörigen der Kranken- und Altenpflege zu übertragen. Hausärztinnen und Hausärzte haben immer den ganzen Menschen im Blick, sie und ihre Mitarbeiter/-innen kennen ihre Patienten oft seit vielen Jahren. Die koordinierte, begleitende fachärztliche Behandlung im Rahmen der Hausarztverträge nützt den Patienten. Dabei hat es sich bewährt, dass der Hausarzt speziell ausgebildete Medizinische Fachangestellte (MFAs) aus seiner Praxis sowohl mit Routine-Hausbesuchen als auch mit besonderen Aufgaben in der Praxis – für die diese Mitarbeiter zusätzlich weitergebildet werden – betraut. Diese Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis, kurz VERAH, sind somit eng in den Praxisalltag eingebunden und mit den Versorgungsaufgaben für Patienten vertraut.

E-Health Gesetz

Der Bayerische Hausärzteverband begrüßt die politischen Bemühungen durch das E-Health-Gesetz den Aufbau einer einheitlichen Telematik-Infrastruktur in Deutschland voranzutreiben und die stärkere Berücksichtigung der Expertise des Deutschen Hausärzteverbandes und seiner Landesverbände bei der Entwicklung und Umsetzung der Telematik-Infrastruktur in Deutschland. Eine moderne Telematik-Infrastruktur muss aus hausärztlicher Sicht ein möglichst reibungsloses Zusammenwirken der Versorgungsebenen einschließlich des Pflegebereichs sowie nichtärztlicher Gesundheitsberufe ermöglichen. Sie muss darüber hinaus medizinisch sinnvolle Anwendungen für die Patientinnen und Patienten bieten und die Kommunikation zwischen Arzt und Patient erleichtern. Die Weiterentwicklung von Anwendungen der Telematik muss eindeutig unter dem Primat der Sicherung des Datenschutzes stehen, aber auch die selektivvertraglichen Anforderungen berücksichtigen. Technische „Insel-Lösungen“ in Krankenhäusern und/oder Arztpraxen ohne Vernetzungspotential müssen vermieden werden (Stichwort: Interoperabilität von Schnittstellen in IT-Systemen).

Fort- und Weiterbildung

Der Bayerische Hausärzteverband engagiert sich für eine kompetente und pharmaneutrale Fort- und Weiterbildung und lehnt versteckte Finanzierungen der Fortbildungsveranstaltungen durch Pharmaunternehmen ab. Die Kosten für die Fort- und Weiterbildung werden deshalb direkt von den teilnehmenden Hausärztinnen und Hausärzten getragen. Damit unterstreichen diese, dass sie sich ausschließlich dem Wohl ihrer Patientinnen und Patienten verpflichtet fühlen.

Der Bayerische Hausärzteverband setzt sich daher gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns für die Weiterführung der Akademie für Allgemeinmedizin in der Bundesärztekammer (BÄK) als Fort- und Weiterbildungsinstitution für Hausärztinnen und Hausärzte ein. Zudem arbeitet der Bayerische Hausärzteverband zielgerichtet auf einer Fortbildungsakademie für Hausärztinnen und Hausärzte sowie Medizinische Fachangestellte in Hausarztpraxen hin.

Freiberuflichkeit

Die Förderung und der Erhalt der Freiberuflichkeit stellt die Basis des politischen Handelns des Bayerischen Hausärzteverbandes dar. Gerade freiberuflich tätige Ärztinnen und Ärzte sind ausschließlich ihrem beruflichem Ethos und ihren Patientinnen und Patienten verpflichtet. Der  Bayerische Hausärzteverband unterstützt aber auch andere Tätigkeitsformen, wie Festanstellung und Teilzeit, weil gerade junge Hausärztinnen und Hausärzte über diesen Weg in den Beruf finden sowie Familie und Beruf so miteinander in Einklang bringen können.

GOÄ

Der Bayerische Hausärzteverband fordert eine im Verfahren transparente und an den berechtigten Interessen der Hausärztinnen und Hausärzte ausgerichtete ausgewogene Reform der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Das bisherige Verfahren der GOÄ-Reform unter Führung des Präsidenten der Bundesärztekammer Montgomery und die bekannten Zwischenergebnisse der aktuellen Diskussion um die GOÄ-Reform, wie sie auch auf dem Sonderärztetag Ende Januar 2016 deutlich geworden sind, lassen den Schluss zu, dass die angestrebten Anpassungen mittelfristig zu einer Benachteiligung der Hausärztinnen und Hausärzte führen werden. Die mangelnde Transparenz im Verfahren verstärkt diesen Eindruck. Es bleibt bei unserer Forderung nach einem eigenen Hausarzt-Kapitel in der GOÄ! *

* Klarstellung: Eigenständiges Kapitel meint eigenständig abzurechnende hausärztliche Leistungen, die das hausärztliche Tätigkeitsfeld abbilden. Ein eigenständiges Kapitel ist aufgrund der besonderen GOÄ-Systematik hierzu nicht zwingend erforderlich.

Hausarzt–EBM

Die Honorierung und die Abbildung hausärztlicher Leistungen im Kollektivvertrag sind im aktuellen EBM trotz erster Reformschritte weiterhin ungenügend. Bayerischer Hausärzteverband und Kassenärztliche Vereinigung Bayerns setzen sich daher gemeinsam für eine substantielle und unbürokratische Verbesserungen auf der Grundlage entsprechender Beschlüsse der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und der Delegiertenversammlung des Bayerischen Hausärzteverbandes ein.

Hausarztzentrierte Versorgung (HzV)

Der weiterhin mangelnde Wille von Politik und Gesellschaft, sich eindeutig zu einem Primärarztsystem zu bekennen und die strukturelle Dominanz nichthausärztlicher Interessen in der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) machen die Förderung der Hausarztzentrierten Versorgung nach wie vor zum zentralen Element hausärztlicher Politik.

Ziel des Bayerischen Hausärzteverbandes ist es, eine partielle Selbstbestimmung zu erreichen, um sowohl Honorarpolitik als auch medizinische Versorgung im hausärztlichen Interesse autonom gestalten zu können. Dabei hat sich in Bayern in den vergangenen Jahren bewährt, dass in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns bestehende Schnittstellenthemen kooperativ angegangen und umgesetzt werden können.

Honorar und HVM

Es ist dem Hausärztlichen Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und der Fraktion des Bayerischen Hausärzteverbandes in der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns seit 2011 erfolgreich gelungen, die Defizite des EBM und die für die Hausärztinnen und Hausärzte in Bayern bestehenden Ungerechtigkeiten in der Honorarverteilung im Kollektivvertrag über den Honorarverteilungsmaßstab (HVM) teilweise auszugleichen. Die Honorierung der Sicherstellung hochwertiger hausärztlicher Leistungen als Zuschlag im Honorarverteilungsmaßstab ist solange fortzuführen, bis der EBM diese Honorarlücke schließt.

 

Palliativmedizinische Versorgung

In Zukunft wird die ambulante Palliativmedizinische Versorgung in Bayern mit den aktuell bereits bestehenden Angeboten in der Grundversorgung und in der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) nicht mehr alleine sicherzustellen sein. Daher haben der Bayerische Hausärzteverband und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns die Arbeitsgemeinschaft Allgemeine Ambulante Palliativversorgung (AG AAPV) ins Leben gerufen, um zunächst in Pilotprojekten die hausärztliche Palliativversorgung einschließlich der Honorierung nachhaltig weiterzuentwickeln. Unser gemeinsames Ziel ist es, dass alle Palliativpatientinnen und -patienten in Bayern ihren letzten Lebensabschnitt in Würde verbringen können.

Koordinierungsstelle Weiterbildung in der Allgemeinmedizin (KoStA)

Als Träger der Koordinierungsstelle Weiterbildung in der Allgemeinmedizin beweisen Bayerischer Hausärzteverband und Kassenärztliche Vereinigung Bayerns gemeinsam mit der Bayerischen Landesärztekammer und bis zu ihrer Kündigung auch mit der Bayerischen Krankenhausgesellschaft bereits seit 2011 wie eine strukturierte Weiterbildung von jungen Medizinerinnen und Medizinern erfolgreich organisiert und dadurch gestaltet werden kann. Durch die Gründung und Begleitung von Weiterbildungsverbünden ist das Interesse an einer Tätigkeit als Hausärztin/Hausarzt in Bayern in den letzten Jahren wieder gestiegen.

Lehrstühle für Allgemeinmedizin

Das berufspolitische Ziel des Bayerischen Hausärzteverbandes ist es, dass Medizinstudierende möglichst früh - bereits im Studium - in Kontakt mit Themen der Allgemeinmedizin kommen. Nur so wird es gelingen, junge Studierende für eine spätere Karriere als Fachärztin oder Facharzt für Allgemeinmedizin zu begeistern. Dazu ist es erforderlich, ein Institut für Allgemeinmedizin mit einem ordentlichen Lehrstuhlinhaber an jeder medizinischen Fakultät in Bayern einzurichten. Mit den beiden ordentlichen Lehrstühlen in München sowie einem dritten in Erlangen und einem vierten in Kürze in Würzburg befindet sich Bayern auf einem guten Weg. Diesen gilt es gemeinsam weiter zu beschreiten.

Hausarzt-MVZ / Hausarztzentrum

Die gemeinsame Förderung von Hausarztzentren zur Sicherung der hausärztlichen Versor-gung ist eine Zukunftsoption, die von Bayerischem Hausärzteverband und Kassenärztlicher Vereinigung gemeinsam genützt werden sollte. Diese Bemühungen sind jedoch nicht alternativ, sondern als nötige Ergänzung zusätzlich zur politischen Stützung von Einzelpraxen und Berufsausübungsgemeinschaften zu sehen.

Methadonsubstitution

Ärztinnen und Ärzte, die Patienten auf deren Weg in ein suchtfreies Leben betreuen, dürfen nicht kriminalisiert und vom Staatsanwalt verfolgt werden. Entsprechend den Beschlüssen der Delegiertenversammlung des Bayerischen Hausärzteverbandes sowie der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns kämpfen wir gemeinsam dafür, die Substitutionsmedizin endlich in ruhigere Gewässer zu leiten und für alle Beteiligten rechtssicher zu gestalten. Nur so wird es gelingen, die ambulante Versorgung dieser Patientinnen und Patienten mittelfristig als eine im Kern gesamtstaatliche Aufgabe sicherzustellen.

Notarztdienst

Durch die Einigung bei den Verhandlungen zur Vergütung im Notarztdienst in 2015 wurde Zeit gewonnen, um weitere strukturelle Probleme der notärztlichen Versorgung in Bayern anzugehen. Insbesondere das Thema „Honorierung von Außennotärzten“ sollte nach Einzelfallprüfung über eine rasche Anerkennung als Notarztstandort gelöst werden. Ferner sind die Kassen aufgefordert, ein Honorarangebot zu machen, das den Einsatz des Zweitnotarztes der Honorierung des (unverzüglichen) Hausbesuchs im Bereitschaftsdienst gleichstellt. Durch den gemeinsamen Einsatz von Bayerischem Hausärzteverband, Kassenärztlicher Vereinigung Bayerns sowie Bayerischer Landesärztekammer konnten Anfang 2016 wesentliche Änderungen der geplanten Reform des Bayerischen Rettungsdienstgesetzes wieder rückgängig gemacht werden. So können u.a. Fachärztinnen und Fachärzte für Allgemeinmedizin weiterhin Leiter/in Ärztlicher Rettungsdienst werden.

Pflegeheime und Geriatrie

Hausärztinnen und Hausärzte sind für die Versorgung von Patientinnen und Patienten, die in Pflege- oder Altenheimen leben, bestens geschult und bilden sich auch auf diesem Gebiet regelmäßig strukturiert weiter. Der Bayerische Hausärzteverband lehnt deshalb alle Forderungen nach einem Geriatrie-Facharzt ab. Der Hausarzt ist der Facharzt für den ganzen Menschen – von der Wiege bis zur Bahre. Und gerade für die Alten, Schwachen und Kranken ist das vertrauensvolle Verhältnis zum Hausarzt wichtig.   

Praxisnetze

Ärztenetze als Plattformen der interkollegialen Zusammenarbeit haben unsere volle Unterstützung. Wo sie helfen, Sicherstellungslücken zu schließen, kann dies auch besonders gefördert werden. Ein eigenständiges Verhandlungs- und Honorarverteilungsmandat oder zusätzliche Boni jenseits von Kollektivvertrag und Hausarztvertrag schwächen jedoch die politischen Möglichkeiten aller Hausärztinnen und Hausärzte und finden deshalb in unserer Politik keinerlei Unterstützung.

Polymedikation

Der Hausarzt ist der Spezialist für Multimorbidität. Die Steuerung von Polymedikation ist deshalb ein ureigenes hausärztliches Thema und kann weder per Gesetz noch an der Apotheken-Theke geregelt werden. Innovative Projekte zur Polymedikationssteuerung bedürfen der Förderung der Kassen durch zusätzliches und ausreichendes Honorar. Gemeinsame Pilotprojekte von Bayerischem Hausärzteverband und Kassenärztlicher Vereinigung sind genauso möglich wie eine Abbildung in den Selektivverträgen.

Unterversorgung und drohende Unterversorgung

Die Begrifflichkeiten der Unterversorgung und drohenden Unterversorgung werden von den Krankenkassen auch weiterhin ohne ausreichende Betrachtung der zukünftigen Entwicklung – insbesondere der Altersentwicklung bei den Ärztinnen und Ärzten – behandelt. Gemeinsam wirken Bayerischer Hausärzteverband und Kassenärztliche Vereinigung Bayern daher in den entsprechenden Entscheidungsgremien daraufhin, dass entsprechende Fördermaßnahmen gerade im hausärztlichen Bereich bereits deutlich früher angewandt werden können und bestehende Instrumente der Bedarfsplanung sinnvoll eingesetzt und möglichst weiterentwickelt werden.

Wirtschaftlichkeitsprüfung/Richtgrößenprüfung

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns hat seit dem Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG - 2012) daran gearbeitet, die Richtgrößenprüfung bezüglich der Arzneimittelverordnung zu ersetzen. Durch Verordnungsanalysen v.a. im hausärztlichen Bereich zu Beginn der laufenden Legislaturperiode, konnte die früher bestehende Unzulänglichkeit und Ungerechtigkeit der Richtgrößenprüfung wissenschaftlich bewiesen werden. Nach über dreijähriger Arbeit wurde die neue Wirkstoffvereinbarung mit den Kassen in Bayern unterzeichnet, die für die Praxen v.a. Transparenz ihre Arzneimittelverordnungen mit sich brachte.

Nur drei Regeln für die Praxen, die sich auf die inhaltliche Medikamentenwahl und eben nicht mehr auf unbekannte Arzneimittelkosten konzentrieren, gewährleisten den Hausärztinnen und Hausärzte in ihren Praxen, dass sie keine Angst mehr vor unberechenbaren Regressen haben müssen. Diese waren über Jahre hinweg für viele junge hausärztlichen Kolleginnen und Kollegen ein wesentlicher Grund dafür, keine Hausarztpraxen zu übernehmen, die in der Vergangenheit besonders von der Verordnungsintransparenz und daraus resultierenden Regressen betroffen waren. Der große Erfolg der neuen Wirkstoffvereinbarung mit einer Verordnungssteuerung zeigt sich darin, dass keine einzige Hausarztpraxis in Bayern in den Quartalen 4/2014 bis einschließlich 4/2015 mehr in die Prüfung gekommen ist. Das der Vereinbarung zugrundeliegende Prinzip „Steuerung statt Prüfung“ wird vom Bayerischen Hausärzteverband unterstützt. Zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns arbeitet der Bayerische Hausärzteverband zudem bereits an dessen Weiterentwicklung: Die Verordnungen im Heilmittelbereich müssen ebenfalls transparent und verordnungssicher für die Praxen werden!

Versorgungsforschung

Die Versorgungsforschung stellt ein wichtiges, aber leider weithin vernachlässigtes Gebiet der medizinischen Forschung dar. Bayerischem Hausärzteverband und Kassenärztlicher Vereinigung geht es daher gemeinsam darum, sowohl im Kollektivvertragssystem als auch in der Hausarztzentrierten Versorgung Projekte nachhaltig zu fördern, um die Versorgungsforschung in Bayern und Deutschland zu implementieren.

Tags: Programm KV-Wahl, Wahlprogramm Hausärzteverband,